BI Atdorf, Verein zum Erhalt des Abhaus und des Haselbachtals e.V.

Wiesenweg 5     79737  Herrischried

                                               27. Juni 2010

Offener Brief an die Dres Römer und Vogt,

Vorstandsmitglieder der Schluchseewerk AG

 

In Ihrem Informationsblatt „Spitzenstrom“ vom Juni 2010 übernehmen Sie für Ihre Eröffnungsspalte unbesehen eine Reihe von Behauptungen, die Ihre Mitarbeiter in dem darauffolgenden Artikel ausbreiten. Man kann dort lesen, das Projekt Atdorf sei:

 

  • Von großer Bedeutung für die Integration der erneuerbaren Energien in unsere Stromnetze und dies sei belegt durch unabhängige Studien
  • Leiste einen entscheidenden Beitrag zum Klimaschutz
  • Leiste einen entscheidenden Beitrag zur Versorgungssicherheit
  • Leiste einen volkswirtschaftlichen Beitrag zur Senkung der Stromkosten
  • Gebe der regionalen Wirtschaft wichtige Impulse
  • Schaffe 40 neue Arbeitsplätze
  • Sei von großer Bedeutung für die Netzstabilität und die Netzsicherheit.
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    Im Zuge Ihrer früheren akademischen Tätigkeit haben Sie gelernt präzise zu formulieren. Sie haben gelernt, Fakten klar, sauber und nachvollziehbar darzustellen. Sie können unterscheiden zwischen dem, was man genau wissen kann, und dem was man vermuten könnte. Sie wissen, dass ein kleiner Betrag zu einer Problemlösung noch lange nicht die Gesamtlösung darstellt.

     

    So formulieren die beiden von Ihnen veranlassten Auftrags-Studien (nicht Gutachten) durchaus, dass ein PSW Atdorf nützlich sein könnte, aber eben nicht, dass es unabdingbar notwendig ist:

     

  • Integration Erneuerbarer Energien: IWES (S. 109) sagt, im Jahre 2030 würden 0,03 TWh für die Netzeinspeisung gerettet, wenn dann 300 TWh aus Erneuerbaren Energien kommen. Sieht so ein großer Beitrag aus?
  • IWES (S.111, 114) sagt, dass ein PSW Atdorf eventuell nicht nur zu keiner CO2–Einsparung, sondern, je nach Pumpstrom-Mix, sogar zu einer Erhöhung der Emissionen führt. In Ihrer Veröffentlichung werden die in einem günstigen Szenario in 10 (zehn) Jahren anfallenden Mengen zitiert. Erschienen Ihnen die Jahresmengen zu peinlich klein? Sind sie ja auch, wenn man sie mit dem Gesamtausstoß an CO2  in Deutschland vergleicht. Sieht so ein entscheidender Betrag zum Klimaschutz aus?
  • Der sogenannte entscheidende Beitrag zur Versorgungssicherheit, der volkswirtschaftliche Beitrag zur Senkung der Stromkosten und die große Bedeutung für die Netzstabilität und Netzsicherheit erweisen sich nach genauer Lektüre von dena und IWES ebenfalls als Effekte, die sehr klein sind im Vergleich zum Ganzen. Da hilft es auch nicht, wenn man die Angaben für zehn Jahre zeigt. Wo  bleibt da die ehrliche Würdigung der Aussagen in Ihren Studien?
  • An regional wichtige Impulse möchten viele Bewohner der Region gerne glauben. Die neuere Vergangenheit hat mit der Sanierung im PSW Wehr mit Hornbergbecken das Gegenteil gezeigt. 2008/2009 blieben von 38 Mio € nur ca. 7% in den Landkreisen Lörrach und Waldshut. Angesichts der technisch anspruchsvollen Arbeiten bei einem PSW Atdorf werden Sie kaum garantieren können, dass auch nur ein vergleichbarer Anteil erreicht würde. Auch die 40 neuen Arbeitsplätze wirken neben den bisher immer angekündigten 15 nicht so recht glaubwürdig.
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    Zu einer korrekten Darstellung würde zunächst gehören, dass man der Bevölkerung nicht versucht vorzugaukeln, diese kleinen Effekte seien zwingende Argumente.

    Zu einer korrekten Darstellung würde auch der Hinweis gehören, dass diese kleinen Effekte nicht umsonst zu haben sind, sondern erkauft werden unter vielem anderen durch den Verlust von hervorragenden Trinkwasserquellen und der unwiderbringlichen Zerstörung von 140 ha intakter Natur.

     

    Bei allem Verständnis für Ihren Wunsch, Ihr Projekt in einem günstigen Licht darzustellen, fordern wir Sie auf, in Ihren zukünftigen Veröffentlichungen ein Mindestmaß an (intellektueller) Ehrlichkeit an den Tag zu legen.

     

    Klaus Stöcklin

    1.Vorsitzender