Jürgen Pritzel schreibt am 8. März 2010:

Dass die Windenergieprognosen besser werden und die Bedeutung der Regelenergie in diesem Zusammenhang abnehmen wird, ist keineswegs – wie im Artikel geschrieben – eine These von mir, sondern ein Zitat aus der IWES-Studie (Seite 66f). Ebenfalls ist in dieser Studie ermittelt, dass selbst im Jahr 2040 der Anteil der Jahresarbeit im PSW Atdorf, der zur Vermeidung von Abregeln der Windenergieanlagen dient, nur 2% beträgt. Erst in den Jahren danach wird daraus ein namhafter Anteil. Bis dahin geht es mehrheitlich darum, die Grundlastkraftwerke (Braunkohle und Kernenergie ) besser auszulasten.

Beiden Studien ist charakteristisch, dass sich die Aussagen, die in den Zusammenfassungen stehen, aus dem ausführlichen Teil gar nicht zwingend aufdrängen. Man hat den Eindruck, dass die Autoren am Ende der meisten Kapitel etwas Mühe hatten, aus dem geschriebenen jeweils ein paar Worte für den Bedarfsnachweis Atdorf zu finden. Ähnliches gilt für die Präsentationen von der Veranstatlung in Wehr, vor allem was die DENA-Studie anbelangt. Und so kommt der flüchtige Leser und Zuhörer natürlich zu dem Schluss, dass der Bedarf nachgewiesen ist. Doch wer sich ausführlicher mit den beiden Studien befasst und rausfinden will, wie die Autoren denn zu den Schlussfolgerungen gekommen sind, wird enttäuscht. Dass sich Pumpspeicherwerke für verschiedene Aufgaben im Netzbetrieb ganz gut eignen, sei mal akzeptiert. Das allein ist aber noch kein Bedarfsnachweis. Es müsste schon herausgearbeitet werden, warum es ein zusätzliches PSW braucht und warum gerade hier.

Stellvertretend möchte ich hier 2 Beispiele nennen. Da wird von der DENA beim Thema Blindleistung erst mit der Verbrauchernähe und dem Netzknoten Kühmoos argumentiert, um gleich im nächsten Satz zu erwähnen, dass gerade hier genug Anbieter von Blindenergie zur Verfügung stehen. Um aus diesem Dilemma herauszukommen, versteigt man sich zu der Aussage, dass für eine weitere Revision vom Hornbergbecken das neue PSW durchaus wünschenswert wäre. Auch beim Thema Netzauslastung (Stichwort „Redispatch“) wird erwähnt, dass durchaus auch andere Kraftwerke hierfür eingesetzt werden können, aber wenn das PSW Atdorf erst mal da wäre, könnte man es sehr gut nutzen. An zahlreichen anderen Stellen wird immer wieder deutlich, dass es durchaus nicht ein neues PSW Atdorf sein muss, aber es wäre dann doch ganz praktisch. Unter Bedarfsnachweis habe ich eigentlich etwas anderes erwartet.

Zurückkommend auf die Veranstaltung in Wehr bleibt festzustellen, dass die Podiumsteilnehmer auf die vielen Einwendungen sehr wenig anzubringen wussten und sich meist auf pauschale Antworten beschränkten. Es bleibt der Eindruck, dass man die detaillierte Diskussion in der Öffentlichkeit scheut und – wenn überhaupt – nur im kleinen Kreis führen möchte. Nicht nur das breite Publikum, auch die Entscheidungsträger werden  mit Allgemeinplätzen abgespeist in der Hoffnung, dass die hingeworfenen Brocken bereitwillig angenommen werden.